Kurz gesagt
Die Herzfrequenzvariabilität (HRV) beschreibt die Schwankung der Zeitintervalle zwischen aufeinanderfolgenden Herzschlägen und gilt als Fenster auf das Gleichgewicht zwischen sympathischem und parasympathischem Nervensystem. Eine höhere HRV wird allgemein mit besserer autonomer Anpassungsfähigkeit assoziiert.
Ein gesundes Herz schlägt nicht metronomartig gleichmäßig, sondern die Abstände zwischen den Schlägen variieren leicht von Schlag zu Schlag – gesteuert durch das autonome Nervensystem, das ständig zwischen aktivierendem Sympathikus und beruhigendem Parasympathikus (Vagusnerv) austariert. Eine hohe Variabilität deutet meist auf eine gute Fähigkeit des Systems hin, sich flexibel an Belastung und Erholung anzupassen; eine dauerhaft niedrige HRV wird mit chronischem Stress, Übertraining und einem erhöhten kardiovaskulären Risiko in Verbindung gebracht.
HRV wird über verschiedene Kennzahlen quantifiziert (zum Beispiel RMSSD oder SDNN), abgeleitet aus einem EKG oder – mit geringerer Präzision – aus optischen Pulssensoren in Wearables. Werte sind stark von Alter, Geschlecht, Fitnesszustand und der Messmethode abhängig und schwanken zudem von Tag zu Tag deutlich stärker als etwa Blutwerte.
Wegen dieser hohen Variabilität eignet sich HRV vor allem zur Beobachtung des eigenen Trends über Wochen und Monate – etwa zur Steuerung von Trainingsbelastung und Erholung – weniger zum Vergleich zwischen unterschiedlichen Personen oder als eigenständiger Diagnosewert. Absolute Grenzwerte für „gute“ oder „schlechte“ HRV im Alltag existieren nicht.
Wichtig zu wissen
- Misst Schwankungen der Zeitabstände zwischen Herzschlägen
- Spiegelt das Gleichgewicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus wider
- Stark abhängig von Messmethode, Alter und Tagesform – schlecht für Personenvergleiche geeignet
- Am nützlichsten als individueller Trend über Wochen, nicht als Einzelwert